Newsroom von campus relations

  • 23. November 2018 Julia Bröder

    Über Wertschätzung – ein Kommentar zur #nachwuchsdebatte aus studentischer Sicht

    Lange war es still um das Thema der Einstiegsgehälter in PR-Agenturen. Diese Debatte ist vor einigen Wochen wieder neu entfacht worden. Deutschlands PR-Branche und insbesondere die Studierendeninitiativen setzen sich wieder mit dem Thema auseinander. Beim diesjährigen PR Report Camp in Berlin ging die Diskussion den Schritt vom Internet auf das Podium. Marie Fuhr von der Studierendeninitiative campus relations aus Münster beschreibt ihre Eindrücke aus studentischer Sicht.

    mariefuhrIn den drei Podiumsdiskussionen vertreten drei junge Frauen die Interessen der Studierenden. Clara Lamm, Nachwuchsbeauftragte der DPRG, Katharina Klahold vom PRSH aus Hannover und Elisa Stöhr, die von kommoguntia aus Mainz kommt. Entweder sie sind die einzige oder eine von zwei Frauen auf der Bühne. Aber sie kommen mit klaren Vorstellungen für den Berufseinstieg in PR-Agenturen.

    Im September wurde die Debatte um Hochschulabsolventen und -absolventinnen durch einen Kommentar von Christiane Schulz im PR Journal neu entfacht. Und das ist zunächst einmal gut. Wie Frau Schulz kurz vor dem PR Report Camp 2018 bekräftigt hat, brauchte es einen solchen Impuls, um das Thema wieder in den Fokus zu rücken. Dies ist dank viel Kontroverse gelungen, und seitdem hat sich einiges in der Branche getan.

    Die Podiumsdiskussionen in Berlin zeigen, wie emotional das Thema Einstiegsgehalt bei den Studierenden ist. Einig sind wir in dem, was wir fordern. Es geht uns um Weiterbildung und Entwicklung nach dem Berufseinstieg, sowie um Wertschätzung. Letzteres beinhaltet auch eine faire Vergütung.

    Schaut man sich die ersten Reaktionen der Agentur- und Unternehmensvertreter und -vertreterinnen auf dem Podium an, stößt dies zunächst auf wenig Gegenwind. Sowohl den Unternehmen als auch den Agenturen ist es wichtig, die Einsteiger weiter auszubilden. Die Betonung liegt hier auf „weiter“. Denn nach einem abgeschlossenen Studium, sowie meist diversen Praktika oder Werkstudenten-Tätigkeiten, kommen Deutschlands Absolventen und Absolventinnen nicht völlig unvorbereitet oder gar „unausgebildet“ in das Berufsleben. Es gilt: Forderungen an den Arbeitgeber stellen. „Das ist in Ordnung und wichtig“, sagt Jelena Mircovic von der Agentur komm.passion. Nicht nur was die Wertschätzung und Weiterbildung angeht, sondern auch die Vergütung.

    Die durchschnittliche Bezahlung für Trainees bei den GPRA-Agenturen liegt bei etwa 1.800€. Das sah vor 20 Jahren noch fast genauso aus. „Ein Skandal“, findet Prof. Dr. Lars Rademacher von der Hochschule Darmstadt. Applaus vom meist studentischen Publikum. Ist das Tranieeship in der Agentur eine geringe Bezahlung überhaupt wert? Ja, das KANN es sein.

    In der Branche ist man sich einig, dass man nirgends so viel lernt wie in den ersten Monaten und Jahren in der Agentur. Über die Bezeichnung dieser Zeit ist man sich allerdings uneinig. Ob als Trainee oder direkt als Junior, wir Einsteiger wollen vor allem viel lernen, und es ist uns egal, welche Bezeichnung wir haben. Wie man uns wertschätzt ist jedoch nicht egal. Und so wählen wir auch die Arbeitgeber aus, bei denen wir uns bewerben.

    Man sollte an dieser Stelle nicht aus den Augen verlieren, dass es hier nicht nur um Geld geht. Die Qualifikationen, die Absolventen und Absolventinnen heutzutage bis zu ihrem Abschluss gesammelt haben – im technischen Bereich etwa oder durch beruflichen Erfahrung, haben sich um Längen verbessert. Die Bezahlung hingegen nicht. Solange die Vergütung auf dem Stand von vor 20 Jahren bleibt, ist die Wertschätzung für junge PR Talente nicht vorhanden. Das ist frustrierend und demotivierend.

    Natürlich kosten Einsteiger den Arbeitgeber einiges an Investitionen, und jeder Einsteiger bekommt lieber mehr als weniger Vergütung, doch wer sich auf „das ideale Einsteigergehalt“ für Agenturen oder auch Unternehmen festlegen möchte, hat den Wert der Branche und ihrer jungen Talente nicht verstanden. Notwendig ist ein Umdenken, damit sich langfristig etwas ändert. Es muss ebenfalls mehr Aufklärung und Forderungen von Seiten der Studierenden geben. Denn solange es Studierende gibt, die Jobs annehmen, die schlecht bezahlt sind oder wenig Wertschätzung und Weiterbildung bieten, wird es diese Jobs auch weiterhin geben.

    Die Studierendeninitiativen haben den Impuls aufgenommen und wir wollen diese Diskussion kontinuierlich fortführen. #wirsindeswert

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