Newsroom von PRSH

  • 1. Juni 2017 Redaktion

    Take Aways aus Lingen: “Stay hungry, stay foolish!”

    PRSH-Mitglied Jochen Heimann hat den Auftakt des neuen PR-Vereins Kommunikos in Lingen besucht und schreibt hier seine Take Aways auf: Warum die Kommunikationsbranche einen Reset braucht und wir davor keine Angst haben müssen.

    Lingen? Wo liegt das? Irgendwo im Emsland, wo baumlange Menschen einander zur Begrüßung die riesigen, ehrlichen Hände schütteln und wohin man von Hannover aus mit der Deutschen Bahn am Saum des Teutoburger Walds, zwischen Birkenwäldern und Atomkraftwerk, Stunden braucht. Deshalb muss man auch um 7 Uhr morgens den Zug nehmen, um die 200 Kilometer pünktlich zur Auftaktveranstaltung von KommunikOS zu bewältigen. Doch warum tut man sich das an?

    Eine naheliegende Begründung ist meine Mitarbeit im PRSH e.V. – dem bereits 2009 gegründeten Pendant der Public Relations Studierenden aus Hannover. Mit diesem Engagement geht, besonders im Rückblick auf die aktiv mitgestaltete Nachwuchsdebatte der letzten Jahre, ein gesundes Grundinteresse am Nachwuchs der Branche, Networking und somit auch an den vielversprechenden „High-Performern“ kommender Young Professionals einher. Derartige Veranstaltungen sind also Pflicht für potentielle Arbeitgeber, die händeringend nach Top-Nachwuchs suchen, der langfristigen Gewinn für ihr Unternehmen versprechen könnte. Warum könnte?

    Damit kommen wir zum zweiten Grund meines Besuchs. Es ist der Spirit, der solche Veranstaltungen umgibt und der heimlich die eigentlichen Interessensansprüche innerhalb der Tagesordnung filtert und formt. Diese geistige Haltung, die sowohl von einigen Speakern, allen voran von Nico Kunkel in seiner Keynote („Was soll bloß aus uns werden?! Was Alumni heute sagen.“), als auch bereits von überraschend vielen Studierenden wahrgenommen oder schon gelebt wird: Es wird in Zukunft nicht darum gehen, den besten Abschluss zu erlangen.

    Es wird nicht darum gehen, möglichst geradlinig vom Abitur über den Bachelor bis zum Master und dann regelkonform ins Volontariat oder Traineeship „durchzumarschieren“.

    Das ist natürlich vorbildlich und sicher eine grundsolide Herangehensweise, doch was bei Kunden der Branche zutrifft, trifft auch bei potentiellen Arbeitgebern zu: Verkaufe dem Kunden was er braucht, nicht was er will.

    Und was die Branche braucht, sind kreative Freidenker*innen, strukturierte Analytiker*innen sowie hochsensible, emotionale und empathische Führungspersönlichkeiten – kurz: die Branche muss sich runderneuern und endlich zu dem stehen, was sie seit Jahren als verführerische Botschaften im Rahmen des Employer-Brandings und von Recruiting-Maßnahmen propagiert.

    Das gilt für Traineeships genauso wie für Arbeitsmodelle, die mit – zu Recht immer stärker werdenden – sozialen Ansprüchen vereinbar sind: Work-Life-Balance, Elternzeit, Gleichberechtigung, Toleranz … Die Liste ließe sich fortführen, denn: Die Ansprüche sind so vielfältig und individuell wie Arbeitgeber und Nachwuchs selbst. Und das ist gut! Das wirklich großartige und aufregende an unserer Branche ist genau diese Diversität. Perfekte Lebensläufe sind eine Sache, doch wer ein paar Umwege gegangen ist, hat zwangsläufig mehr erlebt und bietet seinem Arbeitgeber einen unschätzbaren Mehrwert: Lebenserfahrung.

    Warum wird also, von potentiellen Arbeitgebern und angehenden Absolventen gleichermaßen, immer noch stringent schwarz-weiß gedacht? Die Kompetenzen zwischen PR und Marketing verschwimmen und auch PR und Journalismus wachsen in Zeiten des Content Marketing immer näher zusammen. Warum muss der Weg entweder in die Agentur oder in ein Unternehmen führen? Wer hat eigentlich jemals behauptet, dass es einem nicht erlaubt ist, nach vielleicht gerade mal einem Jahr im neuen Job einen Wechsel anzustreben oder ein erstes Gap-Year zu nehmen?

    “Tut, was euch glücklich macht!”

    Versucht man den Geist des KommunikOS-Auftaktes zusammenzufassen, fällt es leicht, entsprechende Botschaften zu formulieren, die man dem Nachwuchs diesbezüglich mit auf den Weg geben möchte: Tut, was euch glücklich macht. Kickertische, Mate for free, Dachterrassen-BBQ und das kostenlose Taxi nach Hause ab 20 Uhr sind zwar nette Benefits, am Ende bedeuten sie aber nichts, wenn sie nicht dazu beitragen, dass du dich mit deiner Aufgabe identifizierst und dein Job dich erfüllt. Du wirst in dieser Branche viel arbeiten. Sehr viel. Du wirst deine Hauptlebenszeit mit Arbeit verbringen. Wenn es also nicht zu 100 Prozent das ist, was du tun möchtest, musst du deine Situation verändern.

    Nicht falsch verstehen: Du sollst deine Arbeitgeber nicht schneller wechseln als deine Unterhosen. Zu viel Flüchtigkeit ist nicht empfehlenswert. Nimm dir die Zeit, um erst einmal anzukommen. Hinterfrage dich und deine Situation immer kritisch, um dich selbst zu optimieren und deine Situation genau reflektieren zu können. Jeden Tag, zu jeder Zeit, auf dem Weg in der Tram oder unter der Dusche.

    Bist du in der Lage, dir ein sachliches Urteil zu bilden?

    Wenn ja, wie fällt es aus? Wenn die Agenturarbeit nichts für dich ist, probier‘ es in einem Unternehmen. Oder in einem Startup. Oder in einem Verband. Oder in der Politik. Völlig egal, Hauptsache ist, du probierst dich aus und findest etwas, das zu dir passt.

    Früher haben die Leute Vorräte gesammelt, um über den Winter zu kommen. Heute sind es für viele Studierende oft Serien-Staffeln auf Netflix. Auch in der Branche gibt es für dich als zukünftigen Absolventen immer einen kommenden Winter. So sagte beispielsweise auch Klaus Kocks auf dem Podium: “Dies ist ein wunderbarer und schöner Beruf, der lehrt, wie das Leben wirklich ist. Da gibt es auch dunkle Seiten.” Ruhst du dich also jetzt auf dem Status “Digital Native” oder auf der Vielfalt deiner Erfahrungen (übersetzt: deinen ständigen Arbeitgeberwechseln) aus, wird das (glücklicherweise) schnell durchschaut. Du musst dich auf deinem Weg spezialisieren – das ist auch Teil der Suche nach Erfüllung. Ob das konkrete Disziplinen aus dem Marketing oder der PR sind oder du einfach unglaublich empathisch bist und Talent hast, Menschen zu führen –  finde etwas, für das du brennst und werde darin der oder die Beste.

    Hab keine Angst vor Unsicherheit,

    denn Angst bremst dich nur. Sei viel selbstbewusster und mutiger, als du es zurzeit bist, denn deine Ausbildung – egal ob du aus Lingen, Leipzig, Kiel, Münster oder Hannover kommst – ist top.

    Verkaufe dich niemals unter Wert, doch sei auch niemals arrogant.

    Worin du dich von deinen Konkurrenten am Arbeitsmarkt unterscheidest, bestimmst du selbst. Mach‘ dir also einen Namen, engagiere dich über das normale Maß hinaus, sei präsent, baue dein Netzwerk immer weiter aus und bilde dich weiter. Mach‘ gesunde Vielfalt, kompetente Spezialisierung und deine Persönlichkeit zu deinen Stärken. Arbeitgeber, die in Zukunft den Top-Nachwuchs an sich binden wollen und auch können, erkennen diese Geisteshaltung und wissen sie zu wertschätzen.

    Wie immer gibt es ein Zitat, das das anzustrebende Mindset perfekt ausdrückt und zusammenfasst. Wie fast immer erscheint es einem plump, wenn dieses Zitat ausgerechnet von Steve Jobs stammt – ich werde trotzdem damit abschließen: „If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle. As with all matters of the heart, you’ll know when you find it. And, like any great relationship, it just gets better and better as the years roll on.“ Was in Lingen passiert, geht genau in die richtige Richtung. Es ist für die Branche ratsam, den Blick sehr aufmerksam auf diesen kleinen, beschaulichen Ort im Emsland zu richten.

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