Newsroom von PR Career Center

  • 10. November 2017 Redaktion

    Seid authentisch!

    “Man wird nicht erfolgreich, wenn man sich dauerhaft verbiegen muss”, sagt Tine Stensbjerg. Sie und Alaitz Anasagasti haben schon bald nach dem Studium ihre eigene Agentur gegründet. Mut, Leidenschaft und Ausdauer gehörten dazu, doch verbiegen mussten sich die beiden als ihre eigenen Chefinnen nicht. Ein Doppelinterview in unserer Serie “Frauen in Führungspositionen”:

    DER STECKBRIEF

    Name + Alter: Tine Stensbjerg (37) und Alaitz Anasagasti (38)
    Aktuelle Position: Geschäftsführerinnen und Inhaberinnen Kolibri Online GmbH
    Frauenanteil unter den Mitarbeitern: 60 %

    DAS INTERVIEW

    PR Career Center: Wie sind Sie in Ihren ersten Job mit Führungsverantwortung gekommen, wie alt waren Sie und was war das für eine Stelle?

    Tine: Wir sind Gründerinnen aus Leidenschaft. Das heißt, wir haben nach dem Studium recht schnell gegründet und sind ins kalte Wasser gesprungen. Da waren wir beide Ende 20.

    Alaitz: Am Anfang waren wir natürlich nur zwei Gründerinnen ohne Personalverantwortung. Nach einem Jahr haben wir dann aber unsere ersten Mitarbeiter eingestellt.

    Tine: Als Geschäftsführerinnen haben wir damit natürlich gleich die komplette Verantwortung übernommen und konnten uns nicht erst als Teamleiterinnen o. ä. ausprobieren.

    PR Career Center: Was hat Ihnen besonders dabei geholfen, diesen Schritt zu wagen?

    Tine: In unserem Fall hat eine gute Mischung aus Mut und Ausdauer zum Erfolg geführt. Als wir gegründet haben, hatten wir nichts – keinen einzigen Kunden, keine Referenzprojekte. Aber für uns stand damals einfach fest: Wir müssen die Chancen der Digitalisierung nutzen.

    Alaitz Anasagasti, Managing Partner der Kolibri Online GmbH

    Alaitz Anasagasti

    Alaitz: Genau. Wir hatten die Leidenschaft, die man unbedingt braucht, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Aber mit Leidenschaft alleine ist es nicht getan. Ein Unternehmen zu führen, ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Langfristiges Denken und umsichtiges Wirtschaften sind unverzichtbar, wenn man ein gesundes Unternehmen etablieren möchte.

    PR Career Center: Wer hat – außer Ihnen selbst – Ihre Karriere maßgeblich beeinflusst? Und was haben Sie von ihr/ihm konkret mitgenommen?

    Tine: Durch den täglichen engen Austausch mit Alaitz prägen wir uns gegenseitig sehr. Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern – Dänemark und Spanien – und haben in Teilen sehr unterschiedliche Auffassungen von Führung und Führungsaufgaben. Durch die unterschiedlichen Perspektiven ist der Diskurs entsprechend intensiv und notwendig. Ich persönlich finde das auch sehr wichtig. Das führt dazu, dass man sich selbst und die eigenen Entscheidungen immer wieder hinterfragt.

    Alaitz: Darüber hinaus haben wir beruflich wie privat das große Glück, von großartigen Menschen umgeben zu sein, die uns inspirieren und uns dazu anspornen, uns intellektuell, persönlich und fachlich immer weiterzuentwickeln.

    PR Career Center: Was zeichnet Sie als Führungskraft in Ihrer aktuellen Position besonders aus? Wo liegen Ihre Schwerpunkte im Arbeitsalltag?

    Tine Stensbjerg, Managing Partner der Kolibri Online GmbH

    Tine Stensbjerg

    Tine: Freiheit mit Verantwortung: Mein Ziel ist es immer, dass die Mitarbeiter möglichst eigenständig arbeiten. Ich möchte nicht, dass jede Kleinigkeit mit mir abgesprochen wird, dann kommt man nicht voran und es entwickelt sich nichts Neues. Wenn Mitarbeiter tatsächlich Verantwortung übernehmen möchten, finde ich das großartig und versuche, sie so gut es geht, dabei zu unterstützen.

    Alaitz: Ich suche regelmäßig das Gespräch mit den Mitarbeitern. Mir ist es wichtig, ihnen das Gefühl zu geben, dass sie mir gegenüber alle Themen offen ansprechen können. Nur so kann ich bei Problemen rechtzeitig damit anfangen, eine Lösung zu suchen und zu finden. Schöner ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zu Problemen kommt. Deswegen konzentriere ich mich sehr darauf, die Stärken der Mitarbeiter zu identifizieren und gezielt zu fördern. Diese Herangehensweise kommt aus meiner Sicht Mitarbeitern und Unternehmen gleichermaßen zugute.

    PR Career Center: Was war Ihr bislang schönstes Erfolgserlebnis als Führungskraft?

    Tine: Zu merken, wie loyal viele Mitarbeiter sind und dass ihnen die Weiterentwicklung und der Erfolg des Unternehmens auch sehr am Herzen liegen.

    Alaitz: Da kann ich mich nur anschließen.

    PR Career Center: Wie erkennen Sie junge Talente und wie fördern Sie sie? Schaffen Sie in Ihrer Agentur Anreize für die Karrierewege speziell Ihrer Mitarbeiterinnen und was halten Sie von Female-Leadership-Programmen?

    Tine: In einem kleinen Team ist die individuelle Förderung einfacher, weil wir die Mitarbeiter gut kennen und uns regelmäßig in einem strukturierten Rahmen austauschen – egal ob Mann oder Frau. So erkennen wir schnell Potentiale und erfahren persönliche Wünsche und Ziele.

    Förderung von Frauen finde ich persönlich sehr wichtig und unterstütze daher grundsätzlich die Idee der Female-Leadership-Programme. Vorbilder sind wichtig, und Frauen suchen, manchmal sicherlich unbewusst, auch nach weiblichen Vorbildern. In unserer Agentur werden Frauen zwar nicht anders gefördert als Männer, ich denke aber, dass zwei Frauen als Geschäftsführerinnen, die täglich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorleben, ein wichtiges Statement gegenüber all unseren Mitarbeitern ist.

    Alaitz: Wir machen keine Unterschiede und suchen unsere Mitarbeiter nach Kompetenz aus. Genauso wichtig ist natürlich, ob jemand ins Team passt. Bei uns zählt der Charakter, nicht das Geschlecht.

    PR Career Center: Was verhindert Karriere von Frauen in der Kommunikation? Wie wichtig sind Vereinbarkeit von Karriere und Familie oder Modelle zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Welche Vorbilder sehen Sie?

    Tine: Die Branche ist aus meiner Sicht nicht entscheidend. Denn für Frauen aus allen Branchen gilt: Das, was die Karriere in vielen Fällen verhindert oder zumindest beeinträchtig, sind Familienväter, die nicht bereit sind, ihren Anteil an Kinderbetreuung und Haushalt zu übernehmen. Ich erlebe immer wieder Männer, die sich damit rausreden, dass ihre „Firma da nicht mitspielt“ oder sie in einem Job arbeiten, „der das einfach nicht zulässt“ – egal ob es um Elternzeit geht oder nur darum, das Kind einfach mal aus der Betreuung abzuholen. Solange die Vereinbarkeit von Familie und Beruf überwiegend ein Frauenthema und kein Familienthema ist, bleibt es schwierig für weibliche Arbeitnehmerinnen und Führungskräfte. Eine gesellschaftliche Sensibilisierung ist von enormer Bedeutung, und parallel muss jede Frau zuhause den Kampf für sich ausfechten, daran führt – zumindest momentan noch – kein Weg vorbei.

    Gleichzeitig finde ich es in Deutschland noch immer erstaunlich, dass eine Arbeitswoche in der Regel nicht aus 2 x 40 Stunden (Mann und Frau), sondern 1 x 60+ (meistens der Mann) und 1 x 20 (meistens die Frau) besteht. Hier sollten Männer auch für ihr Recht eintreten, pünktlich Feierabend zu machen. Und ich als Arbeitgeberin muss dafür sorgen, dass meine Mitarbeiter – egal ob Mann oder Frau – nicht mehr als 40 Stunden der Woche arbeiten, damit ein gemeinsames Familienleben und die damit verbundene Organisationsleistung möglich werden.

    Als Dänin vermisse ich häufig die skandinavische Auffassung von Work-Life-Balance.

    Alaitz: Wir glauben an Verantwortung und versuchen, unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen so viel Flexibilität wie möglich zu geben. Im besten Fall stimmen wir unser Arbeitsmodelle auf die persönliche Situation ab. Home-Office und flexible Stundenregelungen sind dabei unsere wichtigsten Tools.

    Wir kennen das ja aus eigener Erfahrung: Wir haben beide Familie und führen gleichzeitig ein Unternehmen. Beides unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer einfach, aber es ist nicht unmöglich. Eine starke Partnerschaft und die richtige Einstellung sind die wichtigsten Voraussetzungen, damit das Ganze funktionieren kann.

    Erst kürzlich haben wir erfahren, dass eine Mitarbeiterin schwanger ist, und wir freuen uns sehr für sie. Es ist die beste Nachricht, die man bekommen kann. Wir werden sie eine Zeitlang vermissen, aber wenn man als Arbeitgeber offen ist, kann man das problemlos einplanen und gemeinsam mit der Mitarbeiterin eine praktikable Lösung für beide Seiten finden.

    PR Career Center: Der Nachwuchs in der Kommunikationsbranche ist weiblich. Welchen Rat geben Sie ihm mit auf den Weg?

    Tine: Pauschale Ratschläge sind immer schwierig, aber Authentizität ist für mich sehr wichtig. Man wird nicht erfolgreich, wenn man sich dauerhaft verbiegen muss.

    Alaitz: Nicht aufgeben. Es lohnt sich für den eigenen Traum zu kämpfen.

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