Newsroom von LPRS

  • 25. April 2016 Sebastian Weber

    Rückblick: PR-Salon mit Hartwin Möhrle

    Am 19. April lud der LPRS – Leipziger Public Relations e.V. – Hartwin Möhrle, den geschäftsführenden Gesellschafter und Mitbegründer der Kommunikationsagentur A&B One und Frau Heike Gruse, Head of Legal & Group Compliance Officer der Leipziger Goldschmidt Thermit GmbH ein. Thema des PR-Salons war „Compliance Management: Der Watchdog im Unternehmen?“.  „Compliance bedeutet mehr als Regeln aufzustellen. Und wenn Sie das aufschreiben, ist es noch lange nicht implementiert“, eine Kernaussage von Hartwin Möhrle und seine Praxiserfahrungen spiegeln dies wieder. Seine Schwerpunkte in der Agentur liegen in den Bereichen Unternehmenskommunikation, Krisen- und Risikokommunikation sowie Issues-Management und Compliance. Unser zweiter Gast Heike Gruse hat die Compliance-Strukturen in ihrem Unternehmen von Anfang an mitaufgebaut und vorangetrieben. Heute arbeitet sie unter anderem an der praktischen Wertevermittlung des seit 2014 weltweit ausgerollten „Code of Conduct“ sowie der Implementierung von pragmatischen Compliance-Richtlinien im In- und Ausland. Zusammen konnten sie den Teilnehmenden des PR-Salons praxisnahe Einblicke in die Thematik bringen und aus zwei verschiedenen Blickwinkeln auf die Bedeutung von Compliance hinweisen.

    >> Compliance in der Praxis

    „Als Compliance Officer ist man ein Wertevermittler unter Kollegen. Es geht primär darum, die vom Unternehmen im Leitbild und im Code of Conduct vermittelten Werte in die Köpfe der Mitarbeiter zu transportieren – sozusagen eine Art aktives Wertemanagement.“, so fasst Heike Gruse ihren Job kurz zusammen. Compliance sei immer Teil von der Unternehmensstrategie und -kultur und somit nicht nur eine lästige Pflichtaufgabe zur Haftungsvermeidung. Auch Hartwin Möhrle findet es wichtig, dass das Thema mit Kultur und Management verknüpft wird. Denn geschieht dies nicht, bleibt die Implementierung aus und es bleibt nur ein schönes Schriftstück voller Regeln. Bestenfalls sollte die Rechtskultur schon präventiv mit dem Rechtsverständnis zusammengeführt werden. Doch in der Praxis sieht es häufig anders aus. Meistens findet Compliance im Unternehmen erst nach Krisenfällen Beachtung, die durch gezielte Vorarbeit hätten verhindert werden können: ein klassisches „Learning the hard way“. Wichtig ist dabei, dass es nicht die eine Universal-Lösung gibt, sondern dass es immer auf das Unternehmen, seine Kultur und die Mitarbeiter-Gruppen abgestimmt werden muss. Für die sog. „Blue Collar“, beispielsweise die Arbeiter am Fließband oder auf den Baustellen, sind Themen wie illegale Preisabsprachen eher irrelevant, während sie für das Mittelmanagement von großer Bedeutung sind. Ein Grund, warum es bei der Goldschmidt Thermit GmbH eine unterschiedliche Compliance Kommunikation gibt. Genauso spielt die Größe des Unternehmens eine wichtige Rolle, gerade wenn es international breit aufgestellt ist. Aktuell sind in der Goldschmidt Thermit Gruppe neben dem GCO, den lokal verantwortlichen Managern und Geschäftsführern26 weitere Personen für Compliance zuständig. Diese sogenannten „Compliance Delegates“, die ca. 10-20% ihrer Arbeitszeit mit Compliance Themen ausfüllen, sind wichtige Sprachrohre und „Multiples“ für den Group Compliance Officer, weil sie mit der Kultur des Landes vertraut sind und entsprechend Schulungen und Trainings vor Ort durchführen.

    >> Das Werte-Management muss aktiv gelebt werden

    Die Top-Down-Problematik zeigt sich dann, wenn nur über Compliance geredet wird, es aber nicht aktiv von den Führungskräften vorgelebt wird. Die Schwierigkeit liegt darin, das Thema durch die gesamte Organisation zu bringen. Nur weil das obere Management eine hübsche Kampagne macht, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass sich das mittlere Management an diese Leitsätze hält. Steht das Unternehmen nicht hinter den Vorsätzen, ist jedes Compliance-System zum Scheitern verurteilt. Gleichzeitig ist Heike Gruse bewusst: „Die meisten Mitarbeiter wissen, was im Unternehmen ok ist und was nicht. Davon muss man ausgehen.“ Deshalb müssen sie ernst genommen werden und dürfen nicht verschreckt werden. Wichtig ist für die Mitarbeiter außerdem zu lernen, dass es in ihrer Verantwortung liegt, wie Compliance in den Alltag integriert und glaubwürdig gelebt wird. Man muss sich allerdings auch auf solche Fragen einstellen, wie Herr Möhrle sie erlebt hat: „Und muss ich mich jetzt wirklich daran halten?“

    >> Frischer Wind durch externe Berater

    Die Vorteile eines externen Beraters sind vielfältig. Der Außenstehende hat einen unverstellten Blick und leidet nicht unter einer sogenannten Betriebs-Blindheit, die sich im Unternehmen schnell entwickelt. Gleichzeitig können Erfahrungen, die er in anderen Unternehmen über die Jahre gesammelt hat, miteinfließen und dadurch Fehler vermieden werden. Jedoch ist es für Außenstehende besonders schwer, die Unternehmensstruktur und -kultur formell als auch informell zu verstehen. Wichtig dabei, auf die Mitarbeiter eingehen zu können und ihren Blickwinkel nachzuvollziehen. Bestenfalls kann der externe Berater „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten, denn Ideen, die aus dem Unternehmen selbst herauskommen, werden eher umgesetzt und stoßen auf weniger Widerstand. Heike Gruse ermuntert: „Compliance ist kein Hexenwerk. Aber manchmal erleichtert eine helfende Hand die Umsetzung.“

    >> Compliance ist keine Modeerscheinung

    Zum Abschluss des Gesprächs haben die Referenten Zukunftsaspekte beleuchtet und durch die Fragen der Teilnehmer hat sich eine aktive Diskussion entwickelt. „Compliance wird uns noch einige Zeit begleiten, es ist ein wichtiges Dauerthema.“, so ist sich Hartwin Möhrle sicher. Besonders deshalb ist es notwendig, die Bedeutung zu verstehen, da sich auch die Anforderungen ständig weiterentwickeln. Wie kann man zum Beispiel mit Hilfe von digitalen Trends wie Games oder Comics Compliance den Mitarbeitern spielerisch näherbringen? Oder wie verhalte ich mich, wenn ich durch meine Richtlinien Nachteile im Bezug auf meine Wettbewerber habe? Dies sind Fragen, mit denen sich die Verantwortlichen in Zukunft verstärkt auseinandersetzen müssen. Vor allem im internationalen Kontext zeichnen sich besondere Herausforderungen ab aufgrund kultureller Unterschiede. Die politische Lage in Russland und China sowie die länderspezifische Rechtsprechung aber auch sprachliche Differenzen sind nur wenige Beispiele, die es zu beachten gilt und die eine länderübergreifende Implementierung erschweren. „Wenn man sich konsequent an die eigenen Leitsätze halten will, dann muss man auch Verluste in Kauf nehmen können.“ So kann es zum Beispiel passieren, dass Waren länger im Zoll stehen, wenn keine „Extra-Gelder“ fließen. Jedoch fällt ein Unternehmen durch diese stringente Haltung auch positiv auf und kann unterm Strich Gewinne erwirtschaften.

     

    Der LPRS – Leipziger Public Relations Studenten e. V. bedankt sich bei Heike Gruse und Hartwin Möhrle für interessante Einblicke in ihre Erfahrungen im Bereich Compliance.

     

    Text: Astrid Lux und Lorena Steigertahl, Studentinnen des Masterstudiengangs Communication Management an der Universität Leipzig.

    Bilder: Vivian Weitz, Studentin des Masterstudiengangs Communication Management an der Universität Leipzig.

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