Nadine Dusberger, FleishmanHillard

DER STECKBRIEF

Nadine Dusberger, Head of Healthcare, FleishmanHillardName + Alter: Nadine Dusberger, 41
Aktuelle Position: Head of Healthcare, FleishmanHillard
Frauenanteil unter den Mitarbeitern: 100%

DAS INTERVIEW

PR Career Center: Wie sind Sie in Ihren ersten Job mit Führungsverantwortung gekommen, wie alt waren Sie und was war das für eine Stelle?

Nadine Dusberger: Die erste fachliche Führungsverantwortung hatte ich mit 30, als Group Head auf Agenturseite in Düsseldorf. Einer der Agenturinhaber hatte mich auf Unternehmensseite als Kundin kennengelernt und bei unserem ersten Zusammentreffen prognostiziert, dass ich irgendwann mal ein Traineeship in seiner Gruppe absolvieren würde. Mit dem Angebot, als Group Head anzufangen, kam es anders. Rückblickend betrachtet hatte er dennoch Recht, denn die ersten Monate auf Agenturseite waren definitiv eine Art Traineeship. Das Unternehmens- und Agenturleben unterscheidet sich deutlich und die Landung auf Agenturseite war sehr hart, aber lehrreich.

PR Career Center: Was hat Ihnen auf Ihrem Karriereweg besonders geholfen, einen Schritt weiter und bis auf Spitzenpositionen zu kommen?

Nadine Dusberger: Mir sind zum richtigen Zeitpunkt Menschen begegnet, die mir zugetraut haben, den nächsten Karriereschritt zu gehen. Das ist großes Glück, und das ist mir sehr bewusst.
Gleichzeitig habe ich mich auch von Beginn meines beruflichen Wegs an immer außerhalb meiner persönlichen Komfortzone bewegt: Ich habe früh meinen Urlaub eingesetzt, um auf die Journalistenschule zu gehen und nebenberuflich noch einmal zu studieren, weil ich besser werden wollte, als ich damals war. Ich habe viel und lange gearbeitet, weil ich so mehrere spannende Projekte betreuen durfte und mich inhaltlich schneller entwickeln konnte. Und ich bin dahin gegangen, wo die herausfordernden Jobs waren, auch wenn das sehr lange Anfahrtswege aus meiner Wahlheimat Baden bedeutet.

PR Career Center: Wer hat – außer Ihnen selbst – Ihre Karriere maßgeblich beeinflusst? Und was haben Sie von ihr oder ihm konkret mitgenommen?

Nadine Dusberger: Einen besonderen Einfluss hatten sowohl mein erster Chef als auch meine letzte Chefin auf Unternehmensseite: Mein erster Chef, der damalige Geschäftsführer des Unternehmens, hat mich, damals gerade 22 Jahre alt, in sein Büro geholt und mich auf seinem Stuhl Platz nehmen lassen – um mir dann zu sagen, dass er ganz sicher sei, dass ich im Laufe meiner Karriere eine Geschäftsführungsposition übernehmen werde. Dieses Vertrauen in meine Fähigkeiten hat mich sehr überrascht, denn ich war damals weit davon entfernt, mir das selbst zuzutrauen.

Das 100%ige Vertrauen in die Fähigkeiten meiner Mitarbeiter – selbst dann, wenn Fehler passieren – habe ich von ihm mitgenommen. Gelernt habe ich auch die Bedeutung von Präsenz in anstrengenden Phasen: Ich durfte damals den M&A-Prozess des Unternehmens mitbegleiten, der naturgemäß einige Überstunden mit sich brachte. An einem voraussehbar besonders langen Abend ging um 20:00 Uhr meine Bürotür auf. Mein damaliger Chef stand mit Abendessen und Schokolade vor mir. Und hat selbst weitergearbeitet, bis ich nach 1:00 Uhr das Büro verlassen habe. Er war nicht dazu zu bewegen, früher zu gehen, obwohl er selbst einen anstrengenden Tag hinter sich hatte. Ich versuche, das heute ähnlich zu handhaben – auch, wenn es mir nicht in jedem Fall gelingt.

Meine letzte Chefin auf Unternehmensseite hat mich durch ihre Professionalität, ihre Fokussierung auf die Sache und die Fähigkeit, jederzeit die richtigen Fragen zu stellen, geprägt. Der wohl eindrücklichste Moment war allerdings der Tag meiner Kündigung: Ich hatte mich entschieden, das Unternehmen zu verlassen, um mich beruflich weiterzuentwickeln. Und bin – das bislang erste und letzte Mal in meinem Berufsleben – bei dem Versuch, ihr meine Kündigung  zu überreichen, in Tränen ausgebrochen. Sie hat mir ein Taschentuch gereicht und mir klar gemacht, wie gerne sie mich halten würde. Mir aber gleichzeitig auch signalisiert, dass das nicht richtig sei, weil der Zeitpunkt gekommen sei, mich weiterzuentwickeln.

Was ich daraus mitgenommen habe? Taschentücher sind für eine Führungskraft unersetzlich, weil jeder von uns in Situationen gerät, in denen sie gebraucht werden. Und manchmal ist es wichtiger, Mitarbeiter ziehen zu lassen, als sie zu halten. Weil es richtig und sehr schön ist, mitzuerleben, wie sich aus ihnen Führungskräfte entwickeln, die ihren Mitarbeitern dabei helfen, ihr Potenzial zu entfalten.

PR Career Center: Was war Ihr bislang schönstes Erfolgserlebnis als Führungskraft?

Nadine Dusberger: Das schönste Erlebnis ist schwer zu benennen, weil es in den letzten elf Jahren unglaublich viele schöne Erlebnisse gab. Es ist auch heute noch toll, zu sehen, wenn Mitarbeiter ihr Potenzial entdecken und nutzen. Noch glücklicher macht mich, Mitarbeiter über Jahre begleiten zu dürfen und zu erleben, wie sie nicht nur beruflich, sondern auch privat wachsen. Ich freue mich zum Beispiel von Herzen über jede Schwangerschaft in meinem Team – einen schöneren Beweis, dass das, was wir tun, Hand und Fuß hat, gibt es doch nicht.

PR Career Center: Wie erkennen Sie junge Talente und wie fördern Sie sie? Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen/Ihrer Agentur Anreize für die Karrierewege speziell Ihrer Mitarbeiterinnen und was halten Sie von Female-Leadership-Programmen?

Nadine Dusberger: Jeder Mensch hat besondere Talente, das erlebe ich jeden Tag. Herausfordernd wird es für mich  als Führungskraft in Situationen, in denen ich erkenne, dass der Mitarbeiter ein besonderes Talent hat, das ihn allerdings für einen anderen Beruf nach meiner Wahrnehmung sehr viel besser qualifizieren würde. Oder er oder sie ein Talent hat, das sich in einem anderen Umfeld viel schneller, besser, dynamischer und glücklicher entfalten würde. Das kann unterschiedlichste Gründe haben: Manche Menschen brauchen beispielsweise ein internationales Umfeld, um ihre Stärken auszuspielen. Andere sind in einem nationalen Umfeld mit klaren Strukturen und Distanz zwischen Führungsebenen stark. Ist deshalb der eine talentierter als der andere? Sicher nicht. Insofern ist mein Anspruch, Talenten das Umfeld zu schaffen, das sie brauchen, um ihr Talent optimal zu nutzen. Oder ihnen dabei zu helfen, ihr optimales Umfeld zu finden, wenn ich es nicht selbst schaffen kann. Diese Gespräche zu führen, ist durchaus schwierig. Und ich würde nicht sagen, dass es mir in jedem Fall gelungen ist, das richtige Fingerspitzengefühl dafür zu finden. Aber auch als Führungskraft entwickelt man sich täglich weiter.

Female-Leadership-Programmen stand ich lange kritisch gegenüber, weil ich selbst nicht erlebt habe, dass es die berühmte gläserne Decke gibt. Im Kommunikationsbereich gibt es sie vielleicht auch tatsächlich nicht. Heute unterstütze ich sie dennoch ganz aktiv, weil ich in anderen Umfeldern erlebe, dass es Frauen sind, die anderen Frauen Steine in den Weg legen. Und ich hege die Hoffnung, dass sich das ändert, wenn Frauen in Programmen erleben, wie hilfreich es sein kann, sich gegenseitig zu unterstützen.

PR Career Center: Was verhindert Karriere von Frauen in der Kommunikation? Wie wichtig sind Vereinbarkeit von Karriere und Familie oder Modelle zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Welche Vorbilder sehen Sie?

Nadine Dusberger: Ich glaube, dass Frauen in einigen Fällen selbst ihre Karriere verhindern. Zum Beispiel, weil sie auf eine Karriereoption verzichten, weil sie in absehbarer Zeit Familie planen und glauben, dass ihre aktuelle Position besser mit der Familie vereinbar ist, als eine potenzielle neue. Ich finde, das sollten Frauen einfach lassen: Das Leben passiert, während wir Pläne machen.

Wer sagt denn, dass die Familienplanung immer genauso klappt, wie sich die Frau das in diesem Moment vorstellt? Stellen Sie sich vor, sie wird erst in drei Jahren Mutter. Und selbst wenn sie direkt nach einem Jobwechsel schwanger wird: Das ist doch ein Grund zur Freude. Natürlich muss man als Arbeitgeber dann kurzzeitig auf diese Frau verzichten. Aber sie kommt doch zurück: Glücklich, motiviert und hervorragend organisiert. Und ja, in vielen Fällen in Teilzeit. Na und?

Ich wollte auf die Mütter in meinem aktuellen und bisherigen Teams jedenfalls auf keinen Fall verzichten – denn das sind und waren einfach nur positive, tolle Erfahrungen. Nun würden vielleicht manche Führungskräfte einwenden, dass ich Glück hatte, dass mir nur motivierte, top-organisierte, pragmatische und sehr einsatzbereite Kolleginnen begegnet sind, die weder ihre Kollegen, noch ihre Kunden hängen lassen, wenn Not am Mann ist. Mag sein. Aber so erlebe ich es jeden Tag.

Insofern braucht es für mich auch keine speziellen Modelle, sondern ein Umdenken bei Führungskräften, endlich Stereotypen aus ihrem Kopf zu verbannen. Und Offenheit für die unterschiedlichen Modelle zu zeigen, die Eltern von sich aus vorschlagen – denn meist gibt es sehr individuelle Vorstellungen davon, wie sich Karriere und Familie vereinbaren lassen.

PR Career Center: Der Nachwuchs in der Kommunikationsbranche ist weiblich. Welchen Rat geben Sie ihm mit auf den Weg?

Nadine Dusberger: Versucht nicht, Euren Karriereweg vorzuzeichnen, denn das geht voraussichtlich schief. Sucht Euch das richtige Umfeld zum richtigen Zeitpunkt, Vorgesetzte, die fördern und fordern. Und für die Ihr keine talentierten Frauen, sondern talentierte Menschen seid. Und dann geht Euren Weg.

Veröffentlicht am 12.10.2017.

> Zurück zur Übersicht.

Unsere Partner