Kristin Breuer, AstraZeneca

DER STECKBRIEF

Kristin Breuer, AstraZeneca. Foto©Ulrike SchachtName + Alter: Kristin Breuer, 43 Jahre

Aktuelle Position: Head of Communications DACH AstraZeneca

Personalverantwortung: 7 Mitarbeiter

Frauenanteil unter den Mitarbeitern: 100%

DAS INTERVIEW

PR Career Center: Frau Breuer, Sie sind gelernte Journalistin, waren vor Ihrem Wechsel zu AstraZeneca Ressortleiterin Wirtschaft der „Bild“. Vom Top-Job im Journalismus zu einem Top-Job in der PR – ein Karriereweg, den Sie empfehlen können?

Kristin Breuer: Aber klar! Es ist nicht nur gut und sinnvoll, sondern macht auch noch Spaß, beständig seine Perspektive zu erweitern. Ich denke und hoffe, dass ich aus jeweils eigener Erfahrung beide Seiten gut verstehen und nachvollziehen kann, was sie jeweils umtreibt.

PR Career Center: Wie sind Sie in Ihren ersten Job mit Führungsverantwortung gekommen, wie alt waren Sie und was war das für eine Stelle?

Kristin Breuer: Ich habe mit 34 Jahren die Leitung des Grundsatzreferats und der Öffentlichkeitsarbeit in der Hamburger Kulturbehörde übernommen. Eine Querschnittsaufgabe: Zum einen ging es um die Erarbeitung von Positionierungsthemen, zum anderen um ganz klassische PR-Themen. Gepaart mit dem Neueintritt in den Kosmos öffentliche Verwaltung war das ein ganz schön großer Schritt für mich. Zuvor habe ich als Journalistin gearbeitet und dann wurde mir diese Aufgabe angeboten. Ich war einfach zu neugierig, als dass ich hätte absagen mögen.

PR Career Center: Was hat Ihnen auf Ihrem Karriereweg besonders geholfen, einen Schritt weiter und bis auf Spitzenpositionen zu kommen?

Kristin Breuer: Tolle Vorgesetzte, die mich gefordert und gefördert haben. Und genauso nicht so tolle Vorgesetzte, von denen man lernt, wie man es auf keinen Fall machen möchte. Ich habe neulich einen Ausspruch des Investors William Raduchel gesehen, da hieß es: „Don’t pick a job, pick a boss. Your first boss is the biggest factor in your career success. A boss who doesn’t trust you won’t give you opportunities to grow.” Nun kann man sich insbesondere als Berufseinsteiger meist leider nicht mal eben so den Chef aussuchen. Aber wenn man das Glück hat, an genau so jemanden zu geraten, dann ist das sicher eine gute Ausgangslage. Abgesehen von guten Vorgesetzten braucht man natürlich auch eine gute Portion Eigeninitiative und die Lust auf Neues.

PR Career Center: Wer hat – außer Ihnen selbst – Ihre Karriere maßgeblich beeinflusst? Und was haben Sie von ihr/ihm konkret mitgenommen?

Kristin Breuer: Siehe oben. Ganz besonders hervorzuheben ist Marion Horn, die heutige Chefin der BILD am Sonntag. Von ihr stammt der Ausspruch: „Bring mir keine Probleme, sondern Lösungen.“ Damit verbindet sich für mich zum einen das unbedingte Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter und zum anderen die Gabe, ihnen Freiheiten zu gewähren.

PR Career Center: Was zeichnet Sie als Führungskraft in Ihrer aktuellen Position besonders aus? Wo liegen Ihre Schwerpunkte im Arbeitsalltag?

Kristin Breuer: Zu ersterem sollten Sie lieber meine Mitarbeiterinnen befragen… Schwerpunkte? Ich würde sagen, alle Bälle in der Luft zu halten und nicht die Fassung zu verlieren, wenn doch mal einer herunterfällt. Bezogen auf meine Mitarbeiterinnen finde ich es wichtig, sie zum Widerspruch zu ermutigen und ihnen in kontroversen Situationen den Rücken zu stärken.

PR Career Center: Was war Ihr bislang schönstes Erfolgserlebnis als Führungskraft?

Kristin Breuer: Schön ist in diesem Zusammenhang problematisch: Ich habe mal mit einem viel älteren Mitarbeiter ein sehr schwieriges Gespräch über seine Suchtabhängigkeit führen müssen. Das hat mich viel Kraft gekostet, ich hatte mich akribisch vorbereitet und war sehr angespannt vorher. Das Ergebnis war eine Therapie und eine Besserung seines Zustandes. Darüber habe ich mich gefreut. Jahre später habe ich erfahren, dass er rückfällig geworden ist.

PR Career Center: Wie erkennen Sie junge Talente und wie fördern Sie sie? Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen Anreize für die Karrierewege speziell Ihrer Mitarbeiterinnen und was halten Sie von Female-Leadership-Programmen?

Kristin Breuer: Junge Talente erkennt man klar an ihrem Engagement und ihrer Leistung. Das eine geht ohne das andere nicht. Hinzu kommen Neugier und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren. Wenn ich sehe, dass da jemand ist, der gut ist und Lust hat, sich einzubringen, dann gebe ich Gestaltungsspielräume. Zunächst für kleinere Projekte und dann übertrage ich nach und nach Aufgaben mit mehr und mehr Verantwortung. Female-Leadership-Programme können sinnvoll sein, bei meinem jetzigen Arbeitgeber halte ich sie nicht für notwendig.

PR Career Center: Was verhindert Karriere von Frauen in der Kommunikation? Wie wichtig sind Vereinbarkeit von Karriere und Familie oder Modelle zum Wiedereinstieg nach der Elternzeit? Welche Vorbilder sehen Sie?

Kristin Breuer: Der Kommunikationsjob erfordert häufig ein hohes Maß an Flexibilität. Die Themen, die wir zu bewältigen haben, richten sich nicht nach Arbeitszeiten, und Journalisten arbeiten rund um die Uhr. Das kann natürlich schwierig werden, wenn man Familie und Job unter einen Hut bekommen muss.

Es mag wohlfeil klingen, aber ich finde, dass mein Arbeitgeber AstraZeneca bei diesem Thema in weiten Teilen vorbildlich aufgestellt ist. Hier stimmen die Rahmenbedingungen, was flexible Arbeitszeiten oder Teilzeit-Modelle angeht. Auch für mich ist nur so ein Vollzeitjob mit Führungsverantwortung und Kleinkind möglich. Eine Mitarbeiterin von mir steigt demnächst in Teilzeit wieder ein. Dass das möglich ist, verdanken wir unserer innovativen Personalabteilung.

PR Career Center: Der Nachwuchs in der Kommunikationsbranche ist weiblich. Welchen Rat geben Sie ihm mit auf den Weg?

Kristin Breuer: Seid weiblich! Versucht nicht die besseren Männer zu sein.

Veröffentlicht am 26.10.2017.

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