Newsroom von PR Career Center

  • 26. September 2018 Nico Kunkel

    Eine neue Welle der Empörung in der Nachwuchsdebatte. Dennoch: Es hat sich viel getan!

    Birgit Krüger wirkte im Präsidium der GPRA, als die Nachwuchsdebatte zuletzt hochgekocht war – das war vor mehr als fünf Jahren. Wie sieht sie die aktuelle Welle der Empörung?

    Die Empörung über geringe Einstiegsgehälter in Agenturen entsteht in Wellen, habe ich gelernt. An die letzte Welle vor gut fünf Jahren erinnere ich mich sehr genau. Denn damals traf sie mich als Mitglied des Präsidiums der GPRA mit voller Wucht. Und viele von denen, die sich das letzte Mal zu Wort gemeldet haben, sind dieses Mal gleichfalls zur Stelle.

    Auch wenn der Eindruck entstehen mag, es hätte sich eigentlich nichts verändert: Die letzte Welle der Empörung hat zum Beispiel dazu geführt, dass die PR-Initiativen danach deutlich an Professionalität und Sichtbarkeit gewonnen haben. Die sympathische gemeinsame Reaktion der PR-Initiativen dokumentiert eindrucksvoll, wo die Studenten heute stehen. Vor ein paar Jahren hatten die Initiativen untereinander noch keinen Kontakt.

    Wäre ich Professor im Kommunikationsumfeld, würde ich mich ebenfalls angesprochen fühlen von der Kritik. In meinen zahlreichen Gesprächen mit Professoren war immer echtes Interesse an der Weiterentwicklung der Zunft zu spüren. Auf einen (vermeintlichen) Angriff musste also ein Gegenangriff folgen.

    An dieser Stelle möchte ich als Veteranin der Debatte dem bisher diskutierten Zweiklang von Fachkenntnis und Erfahrung eine dritte Dimension hinzufügen: den gesunden Menschenverstand. Denn ich denke, dass dieser für unser komplexes Berufsbild mindestens genauso wichtig ist. Denn jede Ausbildung ist nur so gut wie die Fähigkeit des einzelnen, das Gelernte in die Praxis umzusetzen.

    Die Menschheit besteht nicht nur aus Lichtgestalten. Auch nicht in unserer Branche. Wird nicht gerade offiziell mit der GPRA gestritten, scheint mir die Beurteilung der Situation überall ähnlich: Engagierte Studenten rollen die Augen über das Desinteresse von Kommilitonen. Professoren verzweifeln an der Unselbstständigkeit und dem fehlende Grundwissen eines Teils der Studierenden. Und Agenturleute wundern sich eben mitunter, was man Berufsanfängern noch beibringen muss. Lernen müssen alle – die einen brauchen dabei sehr viel Betreuung, die anderen etwas weniger. Von der Art des Abschlusses ist das nach meiner Erfahrung nicht abhängig. Ein Gehalt, von dem man Leben kann, sollten in dieser Zeit alle bekommen. Das sieht sicher auch die Präsidentin der GPRA so.

    Wir Kommunikationsleute wissen, dass eine provokante Aussage eher Gehör findet als eine differenzierte Analyse. Und deshalb wirft man schon mal alle Berufsanfänger auf der einen und Agenturen auf der anderen Seite in einen Topf. Verallgemeinerungen schaffen Fronten, an denen man wunderbar entlangstreiten kann, taugen im Alltag aber nicht viel.

    Auch vor mehr als fünf Jahren haben sich die Studenten zu Wort gemeldet. Damals begann der Dialog ebenfalls über die Medien, wurde dann aber in persönlichen Gesprächen weiter geführt. Diese Gespräche waren Teil eines Umdenkprozesses, der sich auf Agenturseite vollzieht: Immer mehr Agenturen professionalisieren ihre Personalarbeit, strukturieren ihre Weiterbildung, überarbeiten ihr Gehaltsgefüge und stocken ihre Sozialleistungen auf. Ich hörte, dass diese Agenturen auch keine Nachwuchssorgen haben. Und bei allen anderen wird es der Markt regeln.

    Die GPRA ist aktuell mal wieder der Bösewicht. Aber wahrscheinlich braucht es ab und zu einen Aufreger, damit der Dialog nicht einschläft. Von den jungen Leuten, mit denen wir damals diskutierten, hat jedenfalls eine ganze Reihe ihre Karriere bei einer (GPRA-)Agentur begonnen.

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