Newsroom von #30u30

  • 19. Juli 2017 Nico Kunkel

    Digital Trend Scout Daniel Rehn: “Es ist eine Rolle zwischen Erklärbär und Enabler”

    Vergangene Woche lud die Agentur achtung! mit der Innovationsberatung Future Candy zum Digital Kindergarten. Als Erzieher mittendrin: #30u30-Alumnus Daniel Rehn, der bei achtung! als Digital Trend Scout arbeitet.

    PR Career Center: Vergangene Woche habt ihr einen Digital Kindergarten veranstaltet. Das klingt mehr nach Spielerei als nach Trendscouting. Was war eure Erwartungshaltung an das Format?

    Daniel Rehn: Gerade weil wir es „Digital Kindergarten“ genannt haben, waren das Interesse von außen sowie unsere Erwartungen hoch. Wir wollten eine Spielwiese schaffen, auf der sich jeder austoben, neue Technologien ausprobieren und Fragen stellen kann, die man sich sonst nicht zu stellen traut. Es hat geklappt. Ein volles Haus mit fast 300 Gästen aus der Branche, Unternehmen, Kunden, Creators und Co. hatte richtig Spaß am Spielen und den Vorträgen unserer Referenten.

    PR Career Center: Es gibt offensichtlich in der Branche Berührungsängste mit neuen Technologien, das fängt bei neuen digitalen Kanäle und Social Media an. Wie lassen sich diese Berührungsängste nachhaltig abbauen?

    Rehn: Der einfachste Weg ist der direkte Umgang damit. Ausprobieren. Dinge in die Hand nehmen. Vom Hörensagen alleine kriegt man nicht raus, wie die Dinge funktionieren. Das Experimentieren braucht natürlich Zeit, die man sich nehmen muss, und birgt natürlich das Risiko mal zu stolpern, aber das gehört zu jeder Lernkurve dazu. Nur theoretisches Wissen reicht nicht mehr, um mithalten zu können. Stichwort Social-Media-Muffel.

    PR Career Center: Du nennst dich Digital Trend Scout. Was macht man da, wie wird man das?

    Rehn: Der Titel ist mein selbsterfundenes Synonym für meine stete Neugier für alles Digitale. Es ist eine Rolle zwischen Erklärbär und Enabler, nur dass ich statt eines festen externen Kunden die Agentur als Kunde führe und als Springer auf jedes Team für jeden Kunden angesetzt werden kann. Mein Job selbst ist es, all die Veränderungen und Strömungen im Netz im Blick zu haben, daraus neue Erkenntnisse abzuleiten und dieses Wissen an unsere Berater und Kunden weiterzugeben. Sie müssen auf dem Schirm haben, was für sie relevant ist bzw. noch werden kann.

    “Viele der Entwicklungen, die wir am Ende als größeren Trend wahrnehmen, haben sich an anderer Stelle schon früher abgezeichnet”

     

    PR Career Center: Wie identifizierst du Trends?

    Rehn: Es klingt banal, aber ich lese viel. Sehr viel. Die ganze Zeit eigentlich. Egal ob Studien, Case Studies oder Analysen, die eigene Timeline auf Twitter, mein Feed-Reader, Ankündigungen für Updates und neue Features bei allen großen wie kleinen Plattformen – meine Liste ist lang und wird immer länger, weil dauernd Neues dazukommt.

    All diese Puzzleteile nehme ich, setze sie laufend neu zusammen und mache einen großen Schritt zurück, um das große Ganze im Blick zu haben. Viele der Entwicklungen, die wir am Ende als größeren Trend wahrnehmen, haben sich an anderer Stelle schon früher abgezeichnet, weil sie auf etwas anderem aufgebaut haben. Im Grunde ist es wie bei Surfern, die versuchen die Wellen und das Wasser zu lesen. Man braucht eine Weile, kriegt dann aber einen Blick dafür und weiß, wann man lospaddeln und aufspringen sollte.

    PR Career Center: Wie nimmst du deine Kollegen mit?

    Rehn: Anfassbar mache ich das über diverse Informationswege und –formate. Unser Intranet, externe Vorträge samt Diskussionen, interne wie externe Schulungen und Workshops oder auch unser an Kollegen wie Kunden gerichteter „Weekly Trend Scout“, der als Info-Paper zum Ende der Woche kurz und prägnant zusammenfasst, was im Netz so los war. Am liebsten aber spreche ich mit den Leuten direkt und zeige ihnen die Dinge anhand ihrer eigenen Erfahrungen auf. Das ist für alle am greifbarsten und sorgt am ehesten dafür, dass es bei ihnen Klick macht.

    PR Career Center: Die Erwartungshaltung an Digital Natives und junge Einsteiger ist hoch, in den Organisationen für Impulse zu sorgen und die Haltung ihrer Chefs zu drehen. Kann die nachwachsende Generation dem überhaupt gerecht werden?

    “Einsteiger müssen die Neugier haben, Dinge herauszufinden, auch wenn sie nicht zum Alltag gehören.”

     

    Rehn: Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben als bestehende Meinungen, Haltungen und Denkstrukturen zu drehen. Gerade für Einsteiger. Aber es ist machbar, braucht aber mehr als „nur“ fundiertes Wissen und Begeisterungsfähigkeit. Ausdauer und eine gewisse Penetranz gehören ebenso dazu. Das ist dann wohl auch die größte Herausforderung dabei: Die ersten und auch sich wiederholenden Widerstände in einem neuen Umfeld zu erkennen und zu brechen, indem man am Ball bleibt und nicht aufgibt. Nicht alle Ideen und Impulse stoßen schließlich sofort auf offene Ohren.

    PR Career Center: Welche Erwartungen hast du an junge Einsteiger und wie findest du heraus, ob sie ins Team passen?

    Rehn: Neugier für alles, was da kommt. Der Wunsch besser werden zu wollen und Dinge herauszukriegen, auch wenn sie nicht zum unmittelbaren Arbeitsalltag oder Aufgabenfeld gehören. Nicht nur Technik wie auch Kommunikation entwickeln sich so unfassbar schnell, dass man bereit sein sollte jeden Tag Neues dazulernen zu wollen. Selbst in Agenturen und Unternehmen passiert momentan so ungemein viel, dass ein steter Blick über den Tellerrand unerlässlich ist. Darauf klopfen wir auch unsere Neuzugänge ab.

    Denn ganz ehrlich: Man muss nicht alles perfekt können, aber man sollte eine Ahnung davon haben, welche Aufwände hinter bestimmten Aufgaben und Prozessen stehen. Und wenn ich es nicht weiß, dann muss ich die Traute haben genau das zu fragen, vielleicht auch selber mal zuzupacken und etwas auszuprobieren.

    Daniel Rehn ist Digital Trend Scout bei achtung! Das Aufgabefeld hat er sich selbst geschaffen. Auf das Basketball spielen im Verein folgte die Pressearbeit für die Abteilung, dann ein Praktikum beim Basketball-Bundesligisten Frankfurt Skyliners, was ihn zum Studium für Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt führte und von dort ab 2010 nach München zur früheren talkabout communications von Mirko Lange. Im Sommer 2012 wechselte Daniel zu achtung! Daniel ist #30u30-Alumnus und war 2013 Teil der PR-Nachwuchsinitiative.

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