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  • 3. September 2018 Julia Bröder

    Annika Schach verlässt die Hochschule Hannover. Ein Interview zum Abschied – und zum Neuanfang

    Ihre Studenten und Studentinnen werden sie vermissen: Annika Schach legt ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule Hannover für drei Jahre nieder und wird Pressesprecherin der Stadt Hannover. Drei Fragen an…

    Sie haben fünf Jahre an der Hochschule Hannover gelehrt. Wie haben Sie die Studierenden erlebt?
    Als sehr engagiert und interessiert. Besonders spannend finde ich den Prozess, wenn sie individuell feststellen, wo die eigenen Stärken und auch Themenvorlieben liegen. Übergreifend hatte ich den Eindruck, dass die Studierenden sehr wertorientiert sind. Große Konzernnamen oder lukrative Bezahlung sind weniger wichtig als Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der Arbeit. Das prägt auch den Berufseinstieg.

    Diese Haltung sollte auch den Arbeitgebern zu denken geben. Doch sie tun sich mit dieser Generation teilweise sehr schwer. Wie können sich Unternehmen und Agenturen besser auf die Absolventen einstellen?
    Die Absolventen sind heute sicher anspruchsvoller, da sie viel gezielter auf die Fachkompetenzen vorbereitet werden – durch Praktika und Studierendenprojekte. Die Guten wissen aber auch, dass sie vieles erst im Job lernen können. Arbeitgeber sollten Einsteigern Wertschätzung entgegenbringen, aber das gilt für alle Generationen.

    Wie bekommen die Arbeitgeber die Besten?
    Indem sie nicht erst bei Absolventen und Berufseinsteigern anfangen. An den Hochschulen mit Praxisphase beispielsweise erfahren alle Studierenden des Jahrgangs, wie das Praktikum verlaufen ist. Das prägt das Image des einzelnen Arbeitsgebers, aber auch des Bereichs. Stichwort: Agentur vs. Unternehmen.

    Es gibt ja das Klischee, dass die Generation sehr selbstbewusst und fordernd ist, dabei aber wenig leistungsbereit und vorbereitet.
    Das kann ich nicht unterschreiben. Die PR-Hochschulen sind den klassischen, fachfremden Universitätsstudiengängen durch die Praxisorientierung im Studium beim Berufseinstieg sicherlich voraus. Bei meinen Studierenden, die sich eine Hochschule für angewandte Wissenschaften ja gezielt ausgesucht haben, sehe ich, dass sie sich entsprechend besonders für Inhalte mit Praxisbezug und Projekte, in denen sie selbst strategisch und kreativ arbeiten können, interessieren.

    Wie können Hochschulen und Studierende gegen Klischees arbeiten?
    Indem wir uns bewusst machen, dass man im Studium nicht alles lernen kann, was man später im Beruf braucht. Viele Studierende merken schon in der Praxisphase, dass das “echte Arbeiten” doch nochmal etwas anderes ist. Man kann an der Hochschule nicht alles vermitteln, die Erfahrungen und Verantwortung kommen erst im Job.

    Es heißt, dass Bachelor-Absolventen in der Regel gut auf den Jobeinstieg vorbereitet sind: Wann raten Sie dennoch zum Master?
    Das kann verschiedene Gründe haben: Echtes wissenschaftliches Interesse, Spaß am Lernen, aber auch längere Zeit zur Orientierung oder Karriereziele, für die ein Master wichtig ist.

    Wir hören von anspruchsvolle Absolventen, die top auf den Job vorbereitet sind. Trotzdem: Wo hakt es denn heute noch in der PR-Ausbildung, speziell an den Hochschulen? Wo sehen Sie Anlass zur Selbstkritik?
    Die Curricula sind meines Erachtens sehr gut, da sie ja auch regelmäßig an die neuen Entwicklungen und Anforderungen angepasst werden. Es könnte eine noch bessere inhaltliche Vernetzung und Absprache unter den Lehrenden geben, so dass sich Inhalte nicht doppeln oder überschneiden. Die Themen sind aber heute so vernetzt, da ist das organisatorisch schwierig.

    Sie wechseln nun aus der Forschung und Lehre in die Praxis. Was nehmen Sie mit?
    Ich konnte mich ausführlich und objektiv mit Themen beschäftigen. Diese Chance hat man in einem anspruchsvollen Job meist nicht.​ Auch die Vernetzung in der Branche hilft sicherlich. Genauso wie letztlich die enge Zusammenarbeit und die Kommunikation mit Studierenden unterschiedlicher Persönlichkeiten – bei der Arbeit mit diversen Stakeholdern und auch mit Kolleginnen und Kollegen.

    Was reizt Sie an der Stelle bei der Stadt Hannover?
    Hannover ist eine sehr lebenswerte Stadt mit vielen Stärken, wie Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft – die aber oftmals verkannt wird. Mich reizt es, das Bild dieser Stadt zu stärken. Auch eine Stadtverwaltung ist ein schwer greifbares Konstrukt, das man kommunikativ mit Leben erfüllen kann. Ich habe auch an der Hochschule immer viele praxisbezogene Projekte mit Studierenden umgesetzt. Nun freue ich mich, dass ich selbst wieder strategisch und praktisch arbeiten kann. Wenngleich mir die Studierenden natürlich sehr fehlen werden.

     

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    theresa_hein

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